Winterzauber

Schneeflocke für Schneeflocke bahnte sich den Weg durch den Wind auf die Erde. Menschen waren unterwegs, den wenigen Schnee in diesem Winter zu sehen. Kleine Kinder freuten sich, holten ihre Schlitten heraus und fingen an zu rodeln. Doch Nadine gefiel das gar nicht. Mit einem mürrischem Gesicht machte sie sich schleunigst auf den Weg nach Hause. Bloß raus aus diesem Schnee. Ihr war kalt und ihre Haare waren auch schon nass. Es knirschte unter ihren Füßen. Sie sah Menschen an sich vorbeilaufen. Fröhliche Gesichter, Schneebälle in der Hand. Doch sie hörte ihre Musik und ging weiter, schnellen Schrittes, nach Hause.

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Es war mittlerweile Mittags geworden. Sie kam vom shoppen nach Hause. Es schneite noch immer. Die Massen auf dem Boden wurden immer größer. Ihre Siedlung schien keine andere Farbe mehr als weiß zu besitzen. Und in genau diesem Augenblick hörte ihr verdammter Discman auch noch auf, ihre CD abzuspielen. Batterien waren alle. Wütend packte sie ihn weg und setzte sich auf eine Bank. Ihr Blick schweifte über die eigentlich grüne Wiese. Sie versank in Gedanken. Würde vielleicht alles anders sein? Wäre ihre Einstellung dem Leben, den Menschen, ja vielleicht sogar dem Schnee anders, wenn......ja, vielleicht. Sie blickte in den Himmel und fragte leise: „Warum?“ Ihr kam fast eine Träne. Nichts schien bisher gut zu laufen. Ihr Freundeskreis wurde immer kleiner, sie hatte bisher noch nicht die erste große Liebe gefunden, alles schien gegen sie zu laufen. Sie hielt die Tränen zurück, die sie sonst so oft geweint hatte, als sie darüber nachgedacht hatte. Sie blickte wieder auf den Boden. „Warum so nachdenklich?“ Sie erschrak. Diese Stimme kannte sie doch! „Es ist ein schöner Wintertag, warum sollte jemand wie du so alleine hier rumsitzen?“ Ein Lächeln kam auf ihr Gesicht. Sie blickte auf und guckte in die grünen Augen von ihm. Er war es, er, den sie sich im Moment am meisten hersehnte. „Hey Philipp! Was machst du denn hier?“ Nadine merkte, wie sich ihr Gesicht wärmte. Sie würde doch nicht etwa rot werden? „Ich genieße den Schnee, den Winter und gehe etwas spazieren. Tja, und durch Zufall habe ich dich wohl gerade getroffen. Was dagegen, wenn ich mich zu dir setze?“ Sie blickte ihn völlig erstarrt an. So hatte sie ihn noch nie reden hören. Und so wirklich glauben tat sie ihm das auch nicht. Zufällig? In ihrer Siedlung? „Ähm...klar, setz dich doch!“ Ihre Gedanken schwirrten umher. Was solle sie jetzt tun? Sie sah ihn an. Er lächelte. Was er wohl gerade denken würde? „Und? Über was hast du gerade nachgedacht?“ „Ähm....nichts wichtiges....über Gott und die Welt halt.“ Sie blickte weg. Ein paar Sekunden schwiegen sie. Schließlich: „Nadine?“ Sie drehte sich um und in genau diesem Augenblick flog ihr ein Schneeball ins Gesicht. Sie schrie auf und wischte sich den Schnee aus dem Gesicht. Doch das ließ Nadine nicht auf sich Ruhen. Sie nahm selber Schnee in die Hand und versuchte ebenfalls ihn zu erwischen. Doch er war schneller und rannte weg. Über die Wiese. Schließlich gab sie auf, zog ein beleidigtes Gesicht und lief langsam zurück. Sie hörte ihn anschleichen und als er direkt hinter ihr war schmiss sie ihm das kalte Nass doch noch ins Gesicht. Er fasste sie, schmiss sie auf den Boden und sie versuchten sich gegenseitig einzuseifen. Schnee flog nur so umher. Schließlich versagten Nadines Kräfte und sie blieb ruhig auf dem Rücken liegen. Philipp beugte sich über sie. Völlig außer Atem sahen sich beide in die Augen. Sie spürte seinen Atem auf ihrem Gesicht. Er näherte sich ihr und schließlich küssten sie sich. Der kalte Schnee war auf einmal wie weg. Sie spürte seine Wärme und dachte an nichts. Ewigkeiten schien zu vergessen. Als er sich wieder entfernte sah er sie an. Seine Augen glänzten. Er strich ihr über die Haare und flüsterte leise: „Ich liebe dich!“ Sie sah ihn an und küsste ihn wieder. Die Welt schien perfekt. Der Winter hatte sie in ihren Bann.

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