Sommernacht

Die Sterne standen schon am Himmel. Es war tiefe Nacht. Der Vollmond spiegelte sich im See vor ihren Augen. Verträumt saß sie am Ufer im Sand, blickte in die kleinen Wellen, in denen sich der Mond bewegte. Solch eine sternenklare Nacht hatte es schon lange nicht mehr gegeben. Das ein paar Meter hinter ihr die Party im vollen Gang war, interessierte sie nicht. Sie brauchte immer einen Moment Ruhe von allem, einen Moment für sich selbst. Sie war glücklich. So glücklich wie schon lange nicht mehr. Alle ihrer Freunde waren da und so schön gefeiert wurde auch schon ewig nicht mehr.
Doch nun saß sie da im Sand und wurde nachdenklich. Erinnerungen an die Vergangenheit wurden wach. An irgendetwas erinnerte sie dieser ruhige See, der Mond am Himmel und vor allem der Sternenhimmel. Sie legte sich in den Sand und blickte nun hinauf. Schon lange nicht mehr hatte sie die Sterne beobachtet. Da waren immer zu viele Erinnerungen in ihr, die sie verdrängt hatte. Doch nun genoss sie es mal wieder.
Ein warmer Sommerwind kam auf. Plötzlich hatte sie wieder all die Erinnerungen vor Augen, die sie so lange verdrängt hatte. Da war wieder die Stimme, die Nähe, die Wärme, die Liebe. Nein, nichts davon hatte sie vergessen. Die Erinnerungen an eine vergangene Liebe. Wie sie mit ihm unter dem Sternenhimmel stand. Ja, seine Stimme klang noch immer in ihren Ohren. Es war so romantisch. Die Gedanken daran kamen ihr vor wie die abartigste Ironie. Das alles war Vergangenheit und das hatte auch seinen guten Grund. Und doch merkte sie, wie sehr sie dem ganzen hinterherhang.
Wieder blickte sie auf den See. Er schien unter dem Licht des Mondes zu glitzern. Er hatte so etwas ruhiges und entspannendes an sich. Auf der Party hinter ihr wurde es plötzlich ruhig. Die Musik wurde ruhiger und plötzlich schien ihr die ganze Atmosphäre voller Liebe zu sein. Genau hier saß sie schon einmal. Vor einigen Jahren. Mit ihm.
Sie blickte auf ihr Bier und nahm einen großen Schluck. Sie war glücklich. Aber warum weckten all diese Erinnerungen nun Tränen in ihr? Irgendetwas stimmte nicht. Nein, sie hatte das ganze nie wirklich verarbeitet. Sie stand auf, wischte sich die Träne weg, zog sich die Schuhe aus und lief ein paar Schritte im Wasser. Es war kühl, aber angenehm. Schließlich blieb sie stehen, blickte hinaus auf das Meer. Warum musste das alles so enden? Sie hörte Schritte hinter sich, drehte sich aber nicht um. Die Person blieb stehen und sie erkannte die Stimme sofort wieder: "Hmm...irgendwie pervers, oder?" Ihr fuhr ein Lächeln über das Gesicht. Langsam drehte sie sich um: Sie hatte sich nicht getäuscht, da stand er wirklich und blickte auf den See hinaus, schaute ihr dann kurz in die Augen, drehte sich wieder um und verließ das Ufer. "Ja, irgendwie pervers", flüsterte sie zu sich. Sie wischte sich eine weitere Träne aus dem Gesicht, blickte noch einmal hinaus auf den See und ging langsam zurück zur Party. Nun sollte dies alles endgültig vergessen werden.

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