Der Weg zurück

In der Schule schien nichts zu laufen. Ihre Gedanken schweiften immer wieder zu den Erlebnissen in der letzten Nacht ab. Die Lehrer ermahnten sie einige Male, was aber nichts brachte. Ihre Freundinnen versuchten aus ihr rauszubekommen, was mit ihr los war. Doch sie beachtete sie kaum. Nur selten schienen sie sich für sie zu interessieren. Also warum sollte sie es ihnen dieses mal sagen?
In der Pause stand sie alleine in einer Ecke, holte wieder den Zettel aus ihrer Tasche und las ihn mehrere Male durch. Plötzlich stand ihre Freundin vor ihr. Hastig packte sie den Zettel weg, sodass ihre Freundin ihn nicht sehen konnte. „Was ist eigentlich los mit dir?“, fragte diese. „Den ganzen Tag schon bist du so seltsam. Ist irgendetwas passiert?“ „Nein...es ist nichts....“ Wieder kamen ihr die Worte in den Sinn: „...doch verrate niemanden etwas...“ Aber könnte er sie hören? Sie riskierte es schließlich und erzählte ihrer Freundin alles, die ihr jedenfalls nicht zu glauben schien.
Enttäuscht und auch etwas wütend ging sie somit in den Unterricht zurück und eilte danach nach Hause.

~**~

Es wurde dunkel draußen. Die Regentropfen klatschten an ihr Fenster. Nicht mehr lange, und sie würde in seinen Armen sein. Sehr früh für ihre Verhältnisse machte sie das Licht aus und versuchte zu schlafen. Eine Stunde, zwei Stunden vergingen, doch es wollte ihr nicht gelingen. War ihre Aufregung vielleicht zu groß? „Komm! Bitte! Hole mich zu dir!“, flüsterte sie in die Dunkelheit hinein, doch nichts geschah. Ihr Bett wurde ihr unerträglich. Sie erinnerte sich an den Weg, den sie letzte Nacht in ihrem Traum gegangen war. Schnell zog sie sich an und machte sich auf den Weg durch den Regen.
Sie rannte. Die Straße hinunter, vorbei an dunklen Häusern, Straßenlaternen. Kein Mensch war unterwegs. Sie rannte durch Pfützen, ihre nassen Haare peitschten in ihr Gesicht, bis sie schließlich an die Stadtgrenze kam. Das weite Feld lag vor ihr, links das Waldstück. Vorsichtig lief sie wieder dort lang. „Wo bist du?“, flüsterte sie wieder vor sich hin, in der Hoffnung, dass er sie hören würde. Tränen vermischten sich mit den Regentropfen auf ihrem Gesicht. Sie blieb stehen und sah sich um. Verzweiflung begann über sie zu herrschen. Es MUSS Realität gewesen sein. Der Zettel war der beste Beweis. Sie kniete sich in den Matsch, legte ihr Gesicht in ihre Hände und weinte still in die Nacht hinein.
Laubrascheln ertönte hinter ihr. Erschrocken drehte sie sich um. Se traute ihren Augen nicht. Da stand jemand am Waldrand! Er blickte zu ihr. Wieder erkannte sie den schwarzen Umhang, die schwarze Kleidung. Langsam ging sie auf ihn zu. Er bewegte sich nicht. „Du sagtest mir, ich solle dich nur rufen und ich könnte zu dir kommen!“, fragte sie ihn beinahe. Noch immer rührte er sich noch nicht und sah sie mit seinen dunklen Augen stumm an. Schließlich blieb sie vor ihm stehen. „Und ich sagte dir, alles für dich zu behalten.“ Sein Blick verdüsterte sich. Ein kleines Gefühl von Angst machte sich in ihr breit. „Ich.......“, begann sie zu sagen, doch er drehte sich um und deutete ihr, ihm zu folgen. Vorsichtig ging sie hinter ihm her, hinein in den Wald.

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Sie weiß nicht mehr, wie lange sie liefen und wie sie dorthin kamen. Er hatte sie doch tatsächlich wieder in die Höhle von letzter Nacht gebracht. Den ganzen Weg über schwiegen sie. „Eigentlich wollte ich dich nicht mehr holen. Du hast nicht getan, was ich dir gesagt habe!“ Mit schuldigem Blick sah sie ihn an. „Bitte....verzeih mir. Ich wusste nicht, dass du in der Nähe warst!“ „Ich bin immer in deiner Nähe, egal wo du bist. Ich lebe bei dir, ich lebe in dir. In deinem Herzen! Wenn du mir etwas zu sagen hast, denke an mich. Ich werde dich hören!“
Die Müdigkeit schien nun doch die Macht über sie zu bekommen. Sie legte sich auf das Bett, wo sie schon einmal geschlafen hatte, und schlief mit einem Gefühl von Geborgenheit ein.

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