Der Blick

Es war nur ein Blick. Ein Blick der ihr viele Rätsel aufgab. Sie drehte sich um und lief in die andere Richtung weiter. Noch einmal drehte sie sich um, doch er war weg. Sie ließ sich von der Masse weitertreiben und ihr Blick ging wieder nach vorne. Mit gesenktem Kopf lief sie weiter, still, schweigend. Die anderen lachten, hatten von nichts mitbekommen. Noch immer sah sie ihn vor sich. Was wollte er ihr damit sagen? Während ihre Gedanken darum kreisten, wie es nun weitergehen solle, hörte sie den anderen zu und versuchte mitzulachen. Trotzdem lief sie ruhig weiter, Blick auf den Boden gerichtet.

Langsam ging die Sonne unter. Sie stand am Fenster und schaute sich die letzten Sonnenstrahlen an. Hätte sie zu ihm gehen sollen in diesem Moment? Wolken zogen auf. Was wollte er ihr sagen? Ein kühler Windhauch wehte durch ihr Haar. Sie schloss die Augen und sah es wieder vor sich: Sein Blick, gerichtet auf sie. Rätselhaft. Langsam schloss sie ihr Fenster und legte sich in ihr Bett. Immer wieder sah sie ihn vor sich. Immer wieder sah sie seinen Blick, sein Gesicht. Sie griff zu ihrem Tagebuch unter ihrem Kopfkissen und begann alles aufzuschreiben. Vielleicht würde sie so einen freien Kopf bekommen und ihr würde alles einfacher vorkommen. Ihr Blick schweifte dabei über ihren Nachttisch, in ihrem Zimmer, hinüber zum Spiegel. In ihrem Spiegelbild sah sie ein Gesicht. Tränen traten aus ihren Augen. Voller Verzweiflung griff sie noch einmal zu ihrem Stift und schrieb einen letzten Satz:
„So rot wie die Liebe sind die Tränen, die ich wegen dir vergieße“. Damit legte sie ihren Stift zur Seite und schaltete das Licht aus. Gehüllt in tiefe Dunkelheit schlief sie ein.

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