Einsamkeit

Alleine saß sie da,
der Blick auf das Flussufer.
Der Schmerz ließ nicht nach.
Was hatte sie getan?
Was faszinierte sie so an ihm?
Sein Gesicht?
Sein Körper?
Seine Person?
Verschwendete Zeit.
Sinnlose Gedanken.
Sie stand über dem Gefühl.
Hoffte, es würde vergehen.
Doch die Gedanken ließen nicht los.
Liebe.
Zweisamkeit.
Wärme.
Leben.
Hoffnung.
Doch das war es nicht.
Der Schmerz war tiefer.
Trauer.
Einsamkeit.
Kälte.
Sinnloses Leben.
Keine Hoffnung.
Keine Hoffnung auf Liebe.
Eine Träne auf dem Gesicht.
Regen auf der Haut.
Der Mond schien sie an.
Die Strömung wurde stärker.
Ohne Gedanken lief sie los.
Ohne Gedanken stellte sie sich ans Geländer.
Mit geschlossenen Augen tat sie es.
Mit verschlossenem Herzen gab sie auf.
Sie gab sich auf.
Sie gab alles auf.
Mit geöffneten Augen sieht sie es.
Mit geöffneten Augen sehe ich es.
Sonnenstrahlen.
Licht.
Hoffnung.
Ein neues Leben.
Ich sehe sie.
Sie stehen dort.
An dem Geländer.
An der Brücke.
Tränen auf dem Gesicht.
So wie bei mir.
Doch ich kenne keine Tränen mehr.
Sie stehen im Regen.
War ich ihnen egal?
Würden sie dann dort stehen?
Würde er dann dort stehen?
Ich gehe weiter.
Sie bleiben hinter mir.
Mein neues Leben beginnt.
Doch einsam bin ich noch immer.

© Veronika Liehr

29.07.2004